Die Milchstraße fotografieren – Immer am Ball bleiben

Prenzlau – meine Heimatstadt.

Die Kleinstadt Prenzlau ist ca. 100km nördlich von Berlin auf der Landkarte in Brandenburg zu finden. Das Foto entstand am schönen Uckersee.

Das unvergesslichste an diesem Foto war meine Euphorie, als ich es endlich im „Kasten“ hatte. Ich habe bereits monatelang vorher versucht die Milchstraße irgendwie zu erwischen, ich bin an alle möglichen Orte gefahren, habe bis tief in die Nacht gewartet und bin immer wieder erfolglos von dannen gezogen – bis zu diesem Foto.

Unverhofft kommt oft

Eigentlich habe ich nur meine Familie besucht, natürlich immer mit meiner Kamera im Gepäck, ich hatte einen schönen Abend mit Freunden und dann standen wir dort, mitten in der Nacht, im Dunkeln, auf dem Steg am See. Und wer war mit uns dort? Richtig, die Milchstraße. Wir starrten völlig fasziniert in den Himmel und bewunderten den Anblick.

Nachdem ich meine Freunde wieder nach Hause gebracht hatte dachte ich mir gegen 1 Uhr nachts „jetzt oder nie“ und fuhr zurück, um mein langersehntes Milchstraßenbild festzuhalten.

Der Moment, in dem mir die Vorschau meiner Kamera bereits ohne Nachbearbeitung klar und deutlich die Milchstraße zeigte, war ein Moment, den ich wahrscheinlich nicht so schnell vergessen werde. Ich war glücklich, stolz und hatte tatsächlich ein wenig damit zu kämpfen nicht laut loszujubeln.

Dann probierte ich mich aus, immer wieder ein anderer Bildaufbau, das Stativ höher geschraubt und wieder eingefahren, den ISO mal höher und mal niedriger, usw. und letztendlich entstand dieses Foto, welches Ihr nun hier auf meiner Homepage sehen könnt.

Ab diesem Moment wusste ich genau was zu tun ist um die Milchstraße nicht nur einzufangen, sondern auch schön in Szene zu setzen. Weitere Bilder folgten in den kommenden Monaten, diese findet Ihr auf meiner Homepage unter Portfolio -> Astrofotografie.

Wie fotografiere ich die Milchstraße?

Zunächst heißt es: Geduld. Denn, wie bereits beschrieben – man muss sie erstmal finden. Dazu müsst Ihr an einem möglichst dunklen Ort sein, je niedriger die Lichtverschmutzung, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Erfolg habt.
Der Himmel sollte möglichst sternenklar sein, ein paar wenige, weiche Wolken können es aber interessant machen. Ihr findet in meinem Album hierzu ein schönes Beispiel mit einem Strandkorb im Vordergrund.

Auch die Jahreszeit ist wichtig. Im Winter ist das Zentrum der Milchstraße bei uns in Deutschland nicht zu sehen, im Hochsommer wird es nachts hingegen nicht richtig dunkel. Die schönsten Bilder erhaltet Ihr im Frühjahr und im Spätsommer, aber auch Anfang Herbst habt Ihr gute Chancen auf Euer Foto.

Außerdem solltet Ihr darauf achten, dass der Mond nicht zu hell scheint. Perfekt ist also Neumond, da der Himmel dann besonders dunkel ist und die Sterne besonders klar zu sehen sind. Es ist aber kein Muss, wie ich aus Erfahrung berichten kann.

Ich habe im Laufe der Zeit sehr oft die Frage gehört: „Wie hast du sie gefunden? Hast du sie richtig gesehen oder hast Du einfach um dich herum fotografiert und geschaut ob sie auf dem Foto ist?“
Ich möchte in diesem Fall wirklich ausschließlich für mich sprechen, vielleicht haben andere Fotografen andere Erfahrungen gemacht, aber jedes meiner Fotos ist dann entstanden, wenn ich sie auch mit bloßem Auge sehen konnte. Mal mehr, mal weniger, aber sichtbar war sie immer. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch auf die andere Methode funktioniert, die Fragen die sich mir hier stellen wären nur:

  1. Bekomme ich sie deutlich und mit allen Konturen auf das Foto, wenn ich sie nicht einmal sehen kann? Nachbearbeitung hin oder her.
  2. Fehlt dann nicht die Freude? Ich kann jedem nur den Ratschlag geben: genießt neben dem Fotografieren auch mal das drum herum. Stellt die Kamera einfach mal für 10 Minuten beiseite, setzt Euch irgendwo hin, schaut in den Himmel und lasst das, was uns die Natur hier bietet, auf Euch wirken. Das gilt übrigens nicht nur in der Astrofotografie, sondern für alle möglichen Orte und Bereiche der Landschaftsfotografie.

Es gibt übrigens viele tolle Apps, ich nutze „Star Walk 2“. Hier wird Euch sehr genau und zuverlässig angezeigt, an welcher Stelle die Milchstraße gerade steht. Im Laufe der Zeit werdet Ihr aber in den Himmel schauen und genau wissen, wo Ihr zu suchen habt.

Bildaufbau/ Motivwahl

Dieser Punkt ist natürlich Geschmacksache, mein Rat ist jedoch folgender:

Besucht die Orte, an denen Ihr vor habt die Milchstraße zu fotografieren, zuvor schonmal im Hellen. Überlegt Euch, wie Ihr Euer Bild gestalten wollt. Ich persönlich mag Milchstraßenfotos, die einen interessanten Vordergrund haben und finde Bilder, auf denen nur der Himmel zu sehen ist, meistens langweilig. Natürlich sollte der Vordergrund nicht vom Hauptmotiv ablenken, aber er macht das Bild erst zu einem richtigen Landschaftsfoto, welches man sich auch gerne an die Wand hängt. Ich versuche meistens das untere Drittel des Bildes mit Vordergrund zu füllen und den Himmel in den oberen 2/3 zu positionieren.

Damit nehme ich auch schon einen Punkt vorweg: Ich empfehle eindeutig ein Weitwinkelobjektiv für diese Art der Fotografie. Maximal 24mm an einer APS-C / 35mm an einer Vollformatkamera, idealerweise sogar noch kürzere Brennweiten. Längere Brennweiten eignen sich außerdem nur bedingt, da die Verschlusszeit kürzer gehalten werden muss, damit die Sterne nicht anfangen nachzuziehen.

Eine Bitte noch, bevor ich zum Equipment komme:

Begebt Euch nicht in Gefahr. Ihr seid auf der Suche nach der Milchstraße grundsätzlich nachts unterwegs, an möglichst dunklen, meist einsamen und abgelegenen Orten. Passt bitte auf Euch auf! Am besten geht mit mehreren Personen auf Fototour, habt immer eine Taschenlampe und Euer Handy dabei und wählt möglichst keine Orte, die Ihr nicht auch schon im Hellen gesehen habt. Auch ich musste einmal alles über die Schulter werfen und laufen, weil ich um 2 Uhr nachts alleine, ganz weit abgelegen auf einem Feld stand, um das Feld herum nur Wälder. Und plötzlich hörte ich ein sehr lautes und aggressives Knurren aus dem Wald, welches immer näher kam. Ich weiß bis heute nicht was es war, aber ich wusste, dass ich schnellstmöglich verschwinden sollte und habe mir noch im Laufen Gedanken gemacht wie ich mich verteidigen würde, wenn nun etwas schief geht. Das passiert mir kein zweites mal.
Kein Foto dieser Welt ist es wert, dass Ihr Euer Leben oder Eure Gesundheit aufs Spiel setzt!

Also, welches Equipment nutze ich und welche Einstellungen nehme ich vor?

Wie immer nutze ich eine manuelle Kamera, im Falle der Astrofotografie ist diese unverzichtbar. Da wir lange belichten wollen: natürlich nur mit Stativ.
Zudem brauche ich ein lichtstarkes Objektiv. Warum?
Es gibt immer 3 Möglichkeiten die Belichtung im Bild zu steuern: Die Blende, die Verschlusszeit und der ISO Wert.
Im Gegensatz zur normalen Langzeitbelichtung bei Nacht könnt Ihr keine beliebig lange Verschlusszeit wählen, da die Erde sich bekanntermaßen dreht. Wenn man nun also länger als 30 Sekunden belichtet könnte man zwar die Blende schließen (f8.0 oder höher), man wird aber feststellen, dass die Sterne keine Punkte mehr sind, sondern Streifen. Das wollen wir natürlich nicht.

Was heißt das nun? Ich möchte maximal 25 Sekunden belichten. Welche Möglichkeit habe ich, damit das Bild nicht zu dunkel wird?

  1. Ich öffne die Blende so weit ich nur kann. (stelle also die kleinstmögliche Blendenzahl ein) Perfekt wäre natürlich f1.8 bis f2.8, je nach Kamera kann es aber auch etwas höher sein. An einer APS-C Kamera empfehle ich tatsächlich etwas um Blende 2, Vollformatkameras sind i.d.R. lichtstärker und können daher zur Not auch mal Blende 4 nutzen. Der Großteil meiner Fotos ist tatsächlich mit Blende 4 entstanden, da ich aktuell kein Weitwinkelobjektiv mit einer kleineren Blende besitze.
  2. Ich erhöhe den ISO-Wert.
    Ich weiß, ISO ist immer ein Graus im Ohr eines jeden Fotografen, aber in diesem Fall kommt man leider nicht drum herum. Wenn man die Belichtung nicht beliebig durch die Verschlusszeit und die Blende regulieren kann, wie in diesem Fall, ist die Erhöhung des ISO der einzige Weg um kein zu dunkles, unbrauchbares Foto zu erhalten. Je nach Lichtverschmutzung und Blendenzahl wird der Wert nun irgendwo zwischen ISO800 und ISO6400 liegen. Je kleiner die Blende, je klarer die Milchstraße mit bloßem Auge zu sehen und umso geringer die Lichtverschmutzung ist, je niedriger könnt Ihr den ISO einstellen.
    Da ich wie gesagt mit der Vollformatkamera mit f4.0 fotografieren muss hatte ich bisher immer ISO6400 (und 20-25 Sek. Verschlusszeit), habe aber glücklicherweise eine Kamera, die auch bei so hohen ISO-Werten noch nicht zu stark rauscht. Das variiert von Kamera zu Kamera, da hilft tatsächlich nur ausprobieren.

Einen Fernauslöser braucht Ihr übrigens nicht zwangsläufig, da man die sogenannte BULB Funktion normalerweise nur bei Verschlusszeiten von über 30 Sekunden nutzt.
Kleiner Tipp, damit das Bild nicht schon beim auslösen verwackelt:
Nutzt entweder trotzdem einen Fernauslöser oder stellt Eure Kamera auf „2 Sekunden Selbstauslöser“ ein, sodass sie erst dann beginnt das Foto aufzunehmen, wenn Eure Hand schon längst nicht mehr an der Kamera ist.

In der Dunkelheit solltet Ihr übrigens unbedingt manuell fokussieren. Es wird sicherlich ein paar Versuche in Anspruch nehmen bis der Fokus sitzt, aber dann könnt Ihr richtig loslegen.

Wie Ihr seht ist das Thema Astrofotografie/ Milchstraße doch recht komplex.

Kurz zusammengefasst:

  • auf geringe Lichtverschmutzung achten
  • beste Zeit: Frühjahr/Spätsommer
  • manuelle Kamera
  • Stativ
  • weitwinkliges & lichtstarkes Objektiv
  • Blende so niedrig wie möglich einstellen
  • Verschlusszeit 20-25 Sekunden
  • ISO je nach Bedingungen zwischen 800-6400
  • Selbstauslöser oder Fernauslöser nutzen
  • Die Kamera solltet Ihr übrigens möglichst aus dem „FF“ beherrschen, da es im Dunkeln sonst schwer wird die notwendigen Einstellungen vorzunehmen

In zahlreichen Foren und Blogs kann man auch etwas über die sogenannte „500er Regel“ lesen, ich für meinen Teil werde hier jedoch nicht darauf eingehen, da ich sie nicht nutze. Ich habe Spaß am Fotografieren, nicht am rechnen. 😉
Und ich denke, dass das Ausprobieren in Form von: „Ziehen die Sterne? Nein – die Verschlusszeit kann länger, oder: Ja – die Verschlusszeit muss kürzer“ genauso zielführend ist.

Ich könnte an dieser Stelle noch viel weiter ausholen, das würde aber den Rahmen sprengen. Themen wie Milchstraßenpanoramen, Mehrfachbelichtung und Zusammenführung mehrerer Fotos usw. werde ich im Laufe der Zeit in meinen Blogbeiträgen aufgreifen.

Wie genau ich die Fotos im Anschluss bearbeite erfahrt Ihr ebenfalls zeitnah im Blog.

2 Gedanken zu „Die Milchstraße fotografieren – Immer am Ball bleiben“

  1. Sehr informativer und lehrreicher Artikel zum Thema Milchstraßenfotografie. Ich habe es selbst einmal in Afrika versucht und letztlich den Fehler mit der automatischen Fokussierung gemacht. Leider habe ich auf dem kleinen Display der Kamera nicht sofort erkannt, dass es etwas unscharf war. Werde es im neuen Jahr aber auch hier noch einmal versuchen.
    Danke für den tollen Bericht!

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