Auf der Suche nach einem 70-200mm Objektiv / Erfahrungsbericht Tamron & Canon 70-200 f2.8 vs. Sony SEL70200GM

Der Anlass meines heutigen Beitrages ist eine langwierige und fast erfolglose Suche nach einem ganz bestimmten Objektiv für meine Sony Vollformatkamera.

Da ich Euch diese Suche ersparen oder zumindest erleichtern möchte, habe ich beschlossen hierzu einen Bericht zu veröffentlichen.

Es geht um meinen Wunsch nach einem 70-200mm Objektiv mit einer durchgängigen Offenblende von 2.8.

Seit Wochen beschäftige ich mich mit diesem Thema, fand jedoch kaum brauchbare Berichte über die Kombination verschiedenster 70-200 f2.8er Objektive mit der Sony A7II.

Im Übrigen richtet sich dieser Beitrag nicht nur  an Nutzer der Sony A7II, sondern auch an diejenigen, die sich für das Tamron 70-200 f2.8 oder das Pendant von Canon interessieren.

Zunächst möchte ich kurz erklären, warum ich mich mit Objektiven mit genau dieser Brennweite und Blende beschäftigte:

Ich möchte es zukünftig im Nebengewerbe für Portrait- und Tierfotografie nutzen.

Daher sind mir folgende Eigenschaften der Kamera/Objektiv-Kombination wichtig:

  • Lange und flexible Brennweite
  • Lichtstark für schlechte Lichtverhältnisse
  • Kurze Verschlusszeiten für schnelle Bewegungen
  • Gutes Freistellungspotenzial (schönes Bokeh)
  • Schärfe
  • Schneller Autofokus für Tierfotografie

Als Besitzer einer Sony Vollformatkamera mit E-Mount Anschluss genießt man leider nicht den Luxus einer unendlich großen Auswahl, wenn man nur wenige Kompromisse eingehen kann.

Viele Dritthersteller bieten nur Objektive mit Canon, Nikon oder dem alten Sony A-Mount Anschluss an, sodass man auf eine Adapterlösung angewiesen ist.

Vom Preis-/ Leistungsverhältnis am naheliegendsten wäre für mich das Sony SEL70200f4 für ca. 1.200€ gewesen. (Link: http://amzn.to/2IsSfhn)

Wenn ich es nicht hätte gewerblich nutzen wollen sondern ausschließlich privat, dann wäre dieses auch zweifelsfrei der Sieger geworden, da es ein qualitativ einwandfreies Objektiv mit einer grandiosen Schärfe und immerhin schon einer guten konstanten Offenblende von 4 ist.

Um damit Geld zu verdienen und meinem eigenen Anspruch gerecht zu werden, brauche ich jedoch die Vorteile einer 2.8er Blende.

Also gab es Möglichkeit 2, das Sony SEL70200GM mit f2.8. (Link: http://amzn.to/2FLAAQq)

Es steht außer Frage, dass dieses Objektiv zur absoluten Oberliga gehört, es erfüllt aus meiner Sicht alles, was sich ein Fotograf wünschen kann. Allerdings für knapp 2.600€. Wir sprechen hier also von einem Preis, für den sich so mancher einen gebrauchten Kleinwagen kauft.

Ich denke ich brauche nicht weiter zu erklären, warum ich nach einer Alternative Ausschau hielt. 😉

Da es mit den beiden genannten Objektiven auch schon mit den möglichen original Sony E-Mount Lösungen vorbei war, beschäftigte ich mich nun mit Objektiven anderer Hersteller, die ich mittels eines Adapters an meine Kamera anschließen würde.

In einem Elektrofachhandel hatte ich zunächst die Möglichkeit das Canon EF 70-200 2.8L (Link: http://amzn.to/2ItOdFI) mit dem Sigma MC-11 Adapter (Link: http://amzn.to/2phfSS8) an der Sony A7II zu testen.
Dieses Objektiv liegt übrigens bei etwa 1.300€ + ca. 300€ für den Adapter. Von Schnäppchen kann also auch hier nicht die Rede sein, aber es sind immerhin 1.000€ weniger als mein Objekt(iv) der Begierde.

Die Bildschärfe grandios, die Haptik einwandfrei, Freistellung top… Und der Auto-Fokus… OK.
Hier war es schon: mein Problem, welches mich auf dieser Suche begleiten wird.

Für Portraitaufnahmen wäre er völlig ausreichend gewesen, er war auch nicht völlig langsam oder verzögert, keinesfalls unbrauchbar. Aber für schnell bewegte Motive, z.B. einen laufenden Hund oder eine springende Katze, einfach nicht ausreichend.
Das Problem ist, dass der Auto-Fokus grundsätzlich durch Adapterlösungen beeinträchtigt wird, egal wie gut das Objektiv sonst auch ist. Natürlich gibt es auch hier gute und schlechte Adapter, aber im Endeffekt wird der Auto-Fokus immer beeinflusst, mal mehr – mal weniger.

Es wäre falsch die „Schuld“ hier ausschließlich auf die bösen Adapter oder schlechte Fremdhersteller zu schieben, denn die Sony A7II ist nicht unbedingt für den schnellsten und treffsichersten Auto-Fokus bekannt. An einer Sony A7RII oder neueren Modellen ist die Adapterlösung beispielsweise eine oft hoch gelobte, schnelle, präzise und vor allem preisgünstige Lösung.
An der Sony A7II leider nicht, zumindest nicht für meine Verwendung.

Da ich die Hoffnung nicht ganz aufgeben wollte recherchierte ich weiter nach möglichen Kombinationen mit einem Dritthersteller und stieß dabei auf das Tamron 70-200 f2.8 G2. (Link: http://amzn.to/2pf0yW6)
Die Suche nach hilfreichen Erfahrungsberichten, YouTube Videos o.ä. war allerdings recht ernüchternd. Ich fand tatsächlich nichts, was mir überhaupt die Frage „lohnt es sich das Tamron an meiner Kamera auszuprobieren“ zufriedenstellend beantwortete.

Also beschloss ich die Antwort auf diese Frage alleine zu ergründen und bestellte es mir bei einem Online Anbieter. Preispunkt: 1.400€, die sich wie beim Canon um mindestens 300€ für den Adapter erhöhen würden.

Bevor ich mich spezifisch zu dem Tamron äußere möchte ich noch kurz erwähnen, dass man sich bei allen genannten Objektiven darüber bewusst sein muss, dass sie ein sehr ordentliches Gewicht haben (bis zu 1,5kg), welches wirklich nicht zu unterschätzen ist. Nutze ich es mit einem Adapter, so ist es sogar noch etwas schwerer.
Der Grund für eine solche Anschaffung sollte schon triftig sein, andernfalls ist das Risiko zu hoch, dass man aufgrund des Gewichts sogar vermeidet es zu nutzen und das viele Geld auf diese Weise im schlimmsten Fall sogar umsonst investiert.

Aber wie ist nun meine Meinung zum genannten Tamron Objektiv?

Sie ist sehr positiv – nur nicht an meiner Kamera.
Ich packte es aus und begutachtete es zunächst von allen Seiten. Wie auch beim Canon gefiel mir die Haptik sehr gut. Es ist hochwertig verarbeitet, der Fokusring und der Zoomring ließen sich sanft bedienen (wenn auch nicht ganz so flüssig wie die Sony und Canon Alternativen) und es besitzt -wie auch die anderen hier genannten Objektive- verschiedene Schalter, mit denen bspw. zwischen Auto- und Manuellfokus umgeschaltet werden kann.

Als ich es mithilfe des Adapters an meine Kamera montierte und ich diese einschaltete um die ersten Testaufnahmen zu machen (Indoor, Tageslicht) kam die sofortige Ernüchterung. An meinem Problem mit dem Auto-Fokus würde sich nichts ändern, ganz im Gegenteil.
Er pumpte… und pumpte… und pumpte.
Es war wirklich keine Freude. Natürlich waren die Lichtverhältnisse nicht sonderlich fair, jedoch muss das Objektiv was ich suchte damit zurecht kommen. Auch wenn es binnen weniger Sekunden für mich aus dem Rennen war machte ich einige Testbilder um die Abbildungsqualität einschätzen zu können.
Wie bereits beim Canon erwartete mich hier ein wirklich scharfes Bild, selbst bei Offenblende, keine wahrnehmbaren Abbildungsfehler und ein tolles Bokeh.

Ich brachte es also schweren Herzens wieder zur Post und gestand mir ein, dass ein Plan B her musste, wenn ich nicht mein ganzes Vorhaben über Board schmeißen möchte.

Den zwischenzeitlichen Gedanken mir eine neue Sony Kamera mit besserem Auto-Fokus zu kaufen verwarf ich. Zum einen, weil mir meine A7II tolle Dienste leistet, zum zweiten weil sie noch kein Jahr alt ist und zum dritten, weil ich auf diese Weise ganz sicher kein Geld sparen würde. 😉

Mein Fazit bis hierhin:
Sowohl das Canon, als auch das Tamron kann ich in Punkto Abbildungsleistung und Verarbeitung mit gutem Gewissen weiterempfehlen. Wer jedoch einen schnellen Auto-Fokus erwartet, der wird mit diesen Objektiven an einer Sony A7II nicht glücklich. An einer Sony A7RII, A7RIII, A7III oder Sony A9 sieht das sicherlich schon anders aus.

Wer nun übrigens sagt „hmm, Canon vs. Tamron, warum sollte ich 100€ mehr für das Tamron ausgeben?“ hat sehr gut aufgepasst und bekommt eine relativ einfache Antwort: Das Tamron hat für diesen Preis bereits einen integrierten Bildstabilisator, das Canon erst beim Nachfolgemodell für über 1.900€.

Aber wie ging meine Suche nun weiter?
Um es abzukürzen:

Ja, ich entschied mich für die völlig unvernünftige und total irre – aber ebenso irre tolle  Variante. Ich darf nun das Sony SEL70200GM 2.8 mein Eigen nennen.
Um die Freude nicht zu hemmen entschied ich mich, mir das schlechte Gewissen über den Preis zu verbieten und nur den positiven Gefühlen rund um dieses Objektiv Raum zu geben. Und was soll ich sagen? Davon gibt es eine ganze Menge! 🙂

IMG_3354

Blenden wir den Kostenfaktor aus (auch wenn es schwer fällt), so kann ich nichts, aber auch wirklich gar nichts negatives an diesem Objektiv finden.
Die Verarbeitung, die Haptik, der Fokus- und der Zoomring, die Schalter, die Knöpfe, selbst die Sonnenblende und der mitgelieferte Köcher – alles unterstreicht die absolute Oberliga dieses Objektivs. Von der Abbildungsleistung ganz zu schweigen.
Jedes einzelne Bild ist gestochen scharf, egal ob offene oder geschlossene Blende, egal ob 70 oder 200mm Brennweite. Auch dieses Objektiv macht die Sony A7II nicht zur absoluten Auto-Fokus Maschine, aber es unterstützt alles, was die Kamera selbst im Stande ist zu leisten.

Ich muss noch einmal betonen: Hätte ich nicht vor mit diesem Objektiv Geld zu verdienen, sodass es sich in absehbarer Zeit wieder re-finanziert, so wäre meine Wahl niemals darauf gefallen, da es für meine Begriffe ausschließlich für ein Hobby schlichtweg zu teuer ist.
Da meine Absichten jedoch sind wie sie sind, bin ich rundum glücklich und völlig begeistert vom SEL70200GM und freue mich jedes mal aufs Neue, wenn es zum Einsatz kommt. An das Gewicht gewöhne ich mich übrigens so langsam, ich würde aber jedem Sony Nutzer empfehlen bei einem solchen Objektiv einen Batteriegriff an der Kamera zu verwenden, da es die gesamte Haptik enorm verbessert.

Wie gehabt, solltet Ihr Fragen hierzu haben: meldet Euch gerne jederzeit!

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