Sonnenuntergang am Strand von Laboe

Am Ostufer der Kieler Förde liegt das Ostseebad Laboe. Hier lässt es sich nicht nur gut fotografieren, sondern auch super an einem schönen Sommertag entspannen. Nehmt bei einem Besuch also nicht nur die Kameraausrüstung mit, sondern auch eine Decke. 🙂

In diesem Beitrag möchte ich gar nicht auf das Motiv an sich eingehen, sondern auf den Bildaufbau und die Gestaltung meiner Landschaftsfotos.

Vorweg übrigens ganz kurz eine technische Komponente, die im Laufe der kommenden Beiträge jedoch noch häufiger aufgegriffen wird:
Alle meine Landschaftsbilder entstehen mit einem weitwinkligen Objektiv (meistens 16mm) um einen möglichst großen Bildausschnitt zu haben und mit einer Blendenöffnung zwischen f8 und f11, für eine durchgängige Schärfe im Bild. (einzige Ausnahme: Astrofotografie, nächster Beitrag)

Aber zurück zum Thema:
Ja, ich halte mich oft an die typischen „Regeln“ der Landschaftsfotografie.

Zunächst gibt es die Drittelregel

Diese besagt, dass das Bild in 9 gleich große Bereiche eingeteilt wird.
Viele Kameras bieten die Möglichkeit im Display ein Raster mit jeweils 2 horizontalen und 2 vertikalen Linien anzuzeigen, sodass sowohl im Hochformat, als auch im Querformat 3 Drittel entstehen.

Zum einen nutzt man diese Einteilung um den Horizont zu platzieren.
Wenn mein Hauptaugenmerk auf dem Vordergrund liegen soll, bekommt dieser 2/3 des Bildes, der Himmel 1/3.
Andersrum verhält es sich im Beispiel unten, hier soll mein Hauptmotiv der Sternenhimmel sein, der Vordergrund dient nur dazu das Bild interessanter zu machen.

DSC00492-5

Je nach den Gegebenheiten weiche ich natürlich auch mal von dieser Regel ab, auch in diesem Beispiel hat der Vordergrund etwas mehr als 1/3 Anteil am Bild, da ich ungerne den unteren Teil des Strandkorbes „abgeschnitten“ hätte.
Was ich jedoch (bis auf wenige Ausnahmen) versuche zu vermeiden ist den Horizont direkt in die Mitte des Bildes zu legen.

Der 2. Teil der Drittelregel besagt, dass markante Objekte im Bild (wie in meinen Beispielen die Steine oder der Strandkorb) auf einen der 4 Schnittpunkte gelegt werden. In beiden Fällen liegen meine Objekte genau auf dem Schnittpunkt der linken vertikalen und der unteren horizontalen Linie, wie Ihr hier mit eingeblendetem Raster sehen könnt:

Bildschirmfoto 2017-10-02 um 17.56.34.pngBildschirmfoto 2017-10-02 um 18.00.36.png

In der Mitte angeordnete Objekte wirken oft statisch und langweilig, die Drittelregel hingegen trägt dazu bei das Bild interessanter zu machen und den Betrachter in das Motiv hinein zu führen.

Diese Regel ist in meinen Augen ein wirklich guter Anhaltspunkt, der als Orientierung für einen wirkungsvollen Bildaufbau dienen kann. Es ist jedoch keinesfalls ein Gesetz und kann natürlich je nach Motiv mal mehr und mal weniger konsequent angewandt werden. Im Laufe der Zeit entwickelt man ganz automatisch ein Gespür dafür wie man das gewünschte Motiv am besten in Szene setzt.

Hier noch ein Beispiel im Hochformat:

DSC00324-3

Hoch- oder Querformat?

Je nachdem ob Ihr das Hoch- oder Querformat wählt kann ein und dasselbe Motiv eine komplett andere Wirkung erzielen.
Hierfür habe ich keine Faustformel. Oft gibt es bestimmte Objekte, die man unbedingt im Bild haben möchte, andere Bilddetails sollen hingegen gar nicht auftauchen. In diesen Fällen ist das Format natürlich schon entschieden. In den meisten Situationen probiere ich mich einfach aus, was ich Euch ebenfalls raten würde.

Am häufigsten ist in der Landschaftsfotografie das Querformat zu finden. Wenn ich meine bisherigen Fotos ansehe kann ich mich auch in diese Statistik einreihen. Trotzdem gibt es oft Situationen in denen ich beides fotografiere und im Anschluss sehr froh darüber bin, da mir die Wirkung im Hochformat besser gefällt. Wenn im Querformat zu viele Objekte vorhanden sind, die vom Hauptmotiv ablenken, kann es zum Beispiel ratsam sein das Hochformat zu wählen.
Auch in der Astrofotografie entscheide ich mich häufig für das Hochformat, da ich so viel Himmel wie nur möglich einfangen möchte. Aber auch hier hängt es davon ab welchen Vordergrund ich wähle und ob dieser dann noch seine gewünschte Wirkung im Bildausschnitt erzielt.

Darum mein Rat: nehmt Euch Zeit und probiert beide Formate aus. Wenn Euch eines von beiden auf Anhieb besser gefällt, bleibt dabei und probiert dieses durch unterschiedliche Perspektiven zu optimieren.

Das Seitenverhältnis wählen

Ich persönlich fotografiere ausschließlich in 3:2, da mir dieses Verhältnis in der Wirkung am besten gefällt und auch zu meinem Verwendungszweck (Hintergrundbilder am Notebook, Upload im Internet, Druck auf Leinwand usw.) gut passt.
Wenn Ihr aus bestimmten Gründen lieber im 16:9/16:10 Format fotografieren wollt ist das genauso legitim, es kann dann nur passieren, dass Ihr Euer Bild irgendwann für bestimmte Zwecke zuschneiden müsst und sich mit etwas Pech die Bildwirkung ändert.

Wenn Ihr natürlich schon vorweg wisst wofür das Foto verwendet werden soll oder gar im Auftrag fotografiert, dann könnt Ihr das Seitenverhältnis (und übrigens auch die Entscheidung ob Hoch- oder Querformat) danach richten. Beispiel: Ihr wollt einen Kalender mit Euren Fotos drucken lassen.

Die richtige Perspektive

Mein größtes Vorbild in der Landschaftsfotografie hat einmal gesagt „Wenn du Fotos möchtest, die sonst keiner hat, musst Du Dinge tun, die sonst keiner tut“.

Dieser Satz hat sich bei mir mehr eingebrannt, als jede Regel, die es in der Fotografie gibt. Und nichts anderes möchte ich Euch in Punkto Perspektive an die Hand geben.

Den Unterschied zwischen Schnappschüssen aus der Hüfte und einem anspruchsvollen Landschaftsfoto macht selten die Kameraausrüstung.
Schmeißt Euch auf den Boden, marschiert mit Gummistiefeln in den Fluss, klettert auf einen Stein – das werden sehr wahrscheinlich die besten Bilder. Passt dabei natürlich bitte auf Euch und die Kamera auf.

Gerade als Einsteiger in der Fotografie beginnt man häufig damit bestimmte Motive nachzufotografieren, die man schon in 1000-facher Ausführung im Internet gesehen hat. Das ist gar nicht schlimm, auch das übt, aber versucht auch hier dem Foto Eure eigene Note zu geben. Nehmt etwas mit ins Bild, was vor Euch keiner getan hat, wählt eine Perspektive, auf die vor Euch niemand gekommen ist.

Hier ein Beispiel vom x-fach abgelichteten Wasserschloss in der Hamburger Speicherstadt:

DSC05083Das Gebäude findet man in Massen, wenn man „Wasserschloss Hamburg“ in die Suchmaschine eingibt. Meine Version habe ich jedoch noch kein 2. Mal gefunden.

Sucht Euch interessante Perspektiven, versucht Euch von diesen Bildern aus Brusthöhe zu befreien, probiert immer wieder neue Blickwinkel aus, schraubt das Stativ mal höher und mal niedriger, geht dichter ran an Euer Hauptmotiv und entfernt Euch wieder ein paar Schritte. Und wenn Ihr merkt: „DAS ist es!“, dann bleibt am Ball.

Motivwahl

Zunächst: alles, was Euch gefällt, darf aufs Foto.
Auch wenn es toll und schmeichelhaft ist, wenn man viel Zuspruch für seine Bilder bekommt, am wichtigsten ist es, dass sie Euch gefallen! Darum ist alles was hier steht auch nur als Ratschlag und Hilfestellung zu verstehen um so einfach wie möglich das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

Natürlich ist die Motivwahl von den bereits oben genannten Faktoren, sprich: Format, Seitenverhältnis usw., abhängig. Wenn ich in einem bestimmten Format fotografieren MUSS, bin ich natürlich eingeschränkter, als wenn ich ein bestimmtes Motiv fotografieren möchte und alles andere drum herum frei anpassen kann.

Überlegt Euch was Ihr fotografieren möchtet, was spannend oder interessant wirken könnte, sucht Euch einen schönen Vordergrund (der Vordergrund ist mir persönlich sehr wichtig) und versucht dabei eventuell die Drittelregel gedanklich einfließen zu lassen um dem Motiv noch das gewisse Etwas zu geben.
Beim Vordergrund darf man natürlich auch etwas tricksen, nicht auf jedem meiner Fotos lagen schon von Anfang an die Objekte Bild, die später dort lagen. Einige davon waren mit reichlich Körpereinsatz verbunden. 😉
Versucht Euch aber trotzdem auf das Wesentliche zu konzentrieren, zu viel Inhalt im Bild kann schnell störend wirken.

Nun bleibt mir nur noch Euch viel Spaß beim anwenden und ausprobieren zu wünschen. Und damit ist das Wichtigste auch schon gesagt: Spaß! Nur darauf kommt es an. Schöne Fotos kommen früher oder später von alleine. 😉